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ADHS
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine inzwischen gut dokumentierte Verhaltensstörung, die bereits im Kindesalter beginnt und bis ins Erwachsenenalter anhalten kann. Sie betrifft weltweit rund fünf Prozent der Kinder, bei 30 bis 70 Prozent bestehen die psychischen Probleme über die Pubertät hinaus fort.
Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ist ADHS nicht auf dem Vormarsch, die Betroffenen fallen in unserer Schulsituation und einem Alltag voller Ablenkungen jedoch mehr auf als früher. Ebenso ist die Aufmerksamkeit der Lehrer und Eltern gestiegen. Erste wissenschaftliche Berichte über ADHS finden sich bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts; in der Literatur wurden Struwwelpeter und Zappelphilipp als ADHS-typische Charaktere berühmt. Aber auch einige als Genies gerühmte Personen litten wahrscheinlich unter ADHS – darunter Mozart, Hermann Hesse, Tschaikowsky und Leonardo da Vinci.
ADHS macht sich meist schon vor dem siebten Lebensjahr bemerkbar. Im Vordergrund stehen dabei die leichte Ablenkbarkeit der Kinder und ihr geringes Durchhaltevermögen. Auffällig sind meist ein aufbrausendes Wesen und die Neigung, Gedanken spontan in die Tat umzusetzen, ohne die Folgen zu bedenken. Sowohl der „Zappelphilipp“ als auch das „Träumerle“ sind mögliche Ausprägungen von ADHS.
Wie stark die Störungen ausgeprägt sind, ist individuell sehr unterschiedlich. Unbehandelte Kinder und auch Erwachsene stehen wegen ihrer Schwierigkeiten oft unter großem sozialem Druck. Weil in Schule und Beruf Erfolgserlebnisse verwehrt bleiben, entwickeln sich nicht selten weitere psychische Erkrankungen wie eine Depression, Angststörung oder Sucht.
Warum genau manche Kinder an ADHS erkranken, ist noch nicht geklärt, eine starke erbliche Komponente wird jedoch angenommen. In Zwillingsstudien ergab sich ein Risiko von 80 Prozent, dass beide Geschwister mit identischem Erbgut eine Aufmerksamkeitsstörung zeigen. Auch Kopfverletzungen, Alkohol, Nikotin und Drogen in der Schwangerschaft können das Auftreten von ADHS beim Kind begünstigen. Für den Verlauf und die Stärke der Beschwerden spielen psychosoziale Faktoren und das Umfeld der Betroffenen eine große Rolle. In psychologischen Tests kann heute mit einiger Sicherheit eine Aufmerksamkeitsstörung identifiziert werden. Im Blut oder auf Computer-Tomographie-Bildern ist eine ADHS – wie die meisten anderen psychischen Störungen auch – nicht zu erkennen.
Die Therapie besteht multimodal aus psychologischen Hilfestellungen und wenn nötig Medikamenten. Ein spezielles Training der Eltern und kognitive Verhaltenstherapie der Kinder haben sich als besonders wirksam erwiesen. ADHS-Medikamente helfen, die Konzentrationsspanne zu verlängern. Es handelt sich dabei nicht – wie oft fälschlich angenommen – um Beruhigungsmittel, mit denen die Kinder „ruhig gestellt“ werden sollen. Ergänzend können Ergotherapie, Logopädie, soziales Kompetenztraining oder Biofeedback vorhandene Begleitstörungen (Ängste, Depressionen, soziale Schwierigkeiten) bessern. Nicht zuletzt sollten die Stärken erkannt und gefördert werden, die häufig mit ADHS einhergehen: Sensibilität, Empathie und Kreativität.
Auf diesen Seiten werden wir Sie in Kürze umfassend zum Thema ADHS informieren: Eltern und Betroffene können derart lernen, die besondere psychische Situation zu verstehen. Sie erhalten Tipps und Ratschläge zum positiven Umgang damit. Im Service-Bereich stellen wir die Kontaktadressen zu ADHS-Zentren, Beratungsstellen und Selbsthilfe-Organisationen bereit.