Die Diagnose Epilepsie ist für viele Betroffene und deren Angehörige zunächst ein Schock. Sie fürchten, im Leben von nun an größten Beschränkungen unterworfen zu sein. Eine verständliche Sorge, die durch die verbreitete Ansicht, dass bei jedem Anfall Hirnzellen absterben und die geistige Leistungsfähigkeit somit immer weiter nachlässt, oftmals zusätzlich genährt wird.
Tatsächlich besteht diese Gefahr - wenn überhaupt - nur im Status epilepticus. In der Regel haben epileptische Anfälle keine langfristigen Auswirkungen und führen selbst bei wiederholtem Auftreten nicht zu einem geistigen Abbau. Auch bei Kindern wird die normale Entwicklung nur durch sehr schwere Krampfleiden gestört.
Das heißt, Epilepsie-Kranke sind im Regelfall nur durch das Leitsymptom der Erkrankung, die Anfälle, eingeschränkt. Was im Folgeschluss bedeutet: Je schwächer die Anfälle sind und je seltener sie auftreten, desto höher ist die Lebensqualität der Betroffenen.
Regelmäßiger Schlaf, wenig Alkohol
Das Leben eines anfallsfreien Epilepsie-Kranken unterscheidet sich also kaum von dem eines gesunden Menschen, und mittels moderner Medikamente lässt sich das oberste Therapieziel, die langfristige Anfallsfreiheit, bei bis zu 80 Prozent der Patienten erreichen. Wichtig ist aber auch, was die Betroffenen selbst bereit sind beizutragen. Schließlich gibt es bestimmte Umstände, die einen Anfall begünstigen.
Einer dieser Faktoren ist Schlafmangel. Aus diesem Grund wird Epilepsie-Kranken ans Herz gelegt, sich nach Möglichkeit an weitgehend feste Schlafenszeiten zu halten. Auch optischen Reizen wie dem Flackerlicht in Diskotheken oder beim Fernsehen sollten sie sich nicht allzu lange aussetzen. Stress oder psychische Anstrengungen können ebenfalls Anfälle begünstigen.
Gleiches gilt für Alkohol in größeren Mengen, der zudem die Nebenwirkungen mancher Medikamente verstärken kann. Deshalb sollte man diesen Punkt mit dem Arzt besprechen, der im Regelfall sagen wird, dass gegen ein gelegentliches Glas Bier oder Wein nichts einzuwenden ist. Viele Epilepsie-Kranke wissen genau, was bei ihnen Anfälle auslöst und versuchen, diese Dinge so weit es geht zu meiden.
Sportlich mit Bedacht
Selbst bei optimaler Therapie lässt sich ein Anfall nie gänzlich ausschließen. Letztlich müssen die Betroffenen immer darauf gefasst sein und entsprechend darauf achten, dass sie im Fall des Falles weder ihre Gesundheit noch die der anderen aufs Spiel setzen. Zu den Aktivitäten, bei denen ein Anfall gefährlich sein kann, gehören etwa Schwimmen, Tauchen, Bergsteigen, Radfahren (nie ohne Helm), Bergsteigen, Wind- und Kitesurfen. Diese Sportarten sollten im Falle des Falles nur mit einer Begleitperson ausgeübt werden. Bewegungsformen, bei denen kein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht, also zum Beispiel Joggen, sind problemlos möglich. Möchte man sie in sehr hoher Intensität betreiben, sollte man das allerdings mit dem Arzt besprechen.
Da bei Anfällen immer die Gefahr eines Sturzes besteht, ist es wichtig, die Wohnung möglichst sicher zu gestalten. Das Risiko durch scharfe Möbelkanten und spitze Gegenstände auf dem Boden sollte minimiert werden. Ein kritischer Punkt ist die Teilnahme am Straßenverkehr. Epilepsie-Kranke dürfen grundsätzlich ein Auto oder Motorrad lenken. Wegen der Gefahren, die ein epileptischer Anfall während der Fahrt birgt, gilt das aber nur unter der Voraussetzung, dass praktisch kein Risiko für einen spontan auftretenden Anfall besteht. In der alltäglichen Umsetzung heißt das: Der Patient muss belegen, dass er anfallsfrei ist, durch den Nachweis einer kontinuierlichen medizinischen Überwachung und die Aussagen von Bekannten und Angehörigen.