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Was ist eine Demenz?

Unter dem Begriff Demenz werden verschiedene Erkrankungen zusammengefasst, die mit einem Verlust der intellektuellen Leistungen des Gehirns einhergehen. Das bedeutet, im Verlauf einer Demenz-Erkrankung kommt es zu einer fortschreitenden Verschlechterung des Gedächtnisses, des Lernvermögens, der Sprache, des praktischen Geschicks und anderer höherer kognitiver Leistungen, zu denen etwa die Urteilsfähigkeit zählt oder das Vermögen, zukünftige Handlungen zu planen. Auch die Persönlichkeitsstruktur und das Sozialverhalten können sich bei dementen Menschen verändern. Ein wichtiges Kriterium ist, dass mehrere geistige und intellektuelle Bereiche betroffen sind und die beschriebenen Probleme solche Ausmaße annehmen, dass sie den Demenz-Patienten in seinen alltäglichen Aktivitäten deutlich beeinträchtigen.

 


Grunderkrankung oder Folgeerscheinung


Das Wort Demenz steht also für eine große und vielfältige Gruppe von Krankheiten, deren gemeinsames Merkmal die Hirnleistungsschwäche ist. Prinzipiell lassen sich zwei Formen unterscheiden: die primären und die sekundären Demenzen.


Bei den primären Demenzen liegt der Ursprung der kognitiven Defizite unmittelbar im Gehirn. Die bekannteste primäre Demenz ist sicherlich der Morbus Alzheimer: Aus bis heute noch nicht vollständig geklärten Gründen sterben bei den Betroffenen nach und nach immer mehr Nervenzellen im Gehirn ab - vor allem in den Regionen, die für das Gedächtnis und die Verarbeitung neuer Informationen entscheidend sind. Zu den primären Demenzen zählen aber auch noch einige  andere Erkrankungen.


Die wichtigste und häufigste ist die so genannte Lewy-Körperchen-Demenz (auch: Lewy-Body-Demenz), bei der die Funktion des Gehirns durch Ablagerungen von kleinen Eiweißteilchen gestört wird. Die Parkinson-Demenz wird ebenfalls zu den primären Formen gezählt und weist gewisse Ähnlichkeiten mit der Lewy-Körperchen-Demenz auf. In erster Linie handelt es sich beim Morbus Parkinson zwar um eine Störung der Motorik, doch vor allem bei schwerem Verlauf kommt es oft auch zu Veränderungen im Gehirn, die demenzartige Symptome nach sich ziehen.


Bei den sekundären Demenzen werden die Defizite in der Hirnleistung durch eine andere Erkrankung oder Störung hervorgerufen. An erster Stelle steht dabei die gefäßbedingte (vaskuläre) Demenz: Hier kommt es infolge von Durchblutungsstörungen im Gehirn zum Absterben von Nervenzellen. Auslöser sind Verengungen und Verschlüsse in den kleinen Gefäßen, die das Gehirn mit Blut versorgen. Ursache ist letzten Endes eine Atherosklerose oder Arterien-Verkalkung, die auch für Erkrankungen wie etwa den Herzinfarkt verantwortlich ist. Sind etwas größere Gefäße betroffen, sodass im Gehirn viele kleine Schlaganfälle entstehen, spricht man auch von einer Multi-Infarkt-Demenz.


Die Entwicklung einer Atherosklerose - und damit auch die vaskuläre Demenz - wird durch verschiedene Faktoren begünstigt, unter denen Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, erhöhte Blutfettwerte und Bewegungsmangel die wichtigsten sind. Mögliche Ursachen einer sekundären Demenz sind weiters Hirnverletzungen, Tumorerkrankungen des Gehirns, die Immunschwäche HIV sowie jahrelanger Alkoholmissbrauch.

 


Neurotransmitter-Mangel verschärft das Problem


Unabhängig davon, um welche Form es sich letztlich handelt - die Symptome einer Demenz werden in erster Linie durch den Untergang von Hirnzellen hervorgerufen. Das Netzwerk aus 100 Milliarden Nervenzellen ist nicht nur verantwortlich für unsere kognitiven Fähigkeiten, in diesem sind auch die Erinnerungen unseres gesamten Lebens gespeichert, und damit die Persönlichkeit. All das kann bei Demenz-Patienten nach und nach verloren gehen, wenn der Zelluntergang kontinuierlich fortschreitet. Leider ist dies der Fall bei den meisten Demenzen, zumindest, wenn die Behandlung ausbleibt.


Verschärft wird das Problem dadurch, dass der Untergang der Nervenzellen eine Abnahme von Botenstoffen wie Acetylcholin mit sich bringt. Ohne diesen wichtigen Neurotransmitter ist die Kommunikation unter den noch verbliebenen Hirnzellen zusätzlich beeinträchtigt oder kommt gänzlich zum Erliegen. Mit so genannten Cholinesterase-Hemmern, den bei der Behandlung von Demenzen derzeit am häufigsten eingesetzten Medikamenten, lässt sich dieser Mangel teilweise beheben.

 


Auf dem Weg zur Volkskrankheit


Schon jetzt leiden in Österreich 100.000 Menschen unter einer Demenz - und die Zahl wird nach übereinstimmender Meinung von Expertinnen und Experten weiter zunehmen. Demenz-Erkrankungen treten vor allem im Alter auf, das heißt nach dem 65. Lebensjahr, und da die Lebenserwartung in den modernen Industrienationen weiter zunimmt, ist konsequenterweise auch mit einem Zuwachs der Demenz-Erkrankungen zu rechnen. Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 etwa 250.000 Österreicher von einer Demenz betroffen sein werden.


Dennoch: Bei der Demenz handelt es sich keineswegs um eine normale Alterserscheinung - auch wenn das mittlerweile viele Menschen befürchten. Tatsächlich gibt es zahlreiche Hochbetagte, die sich hervorragender geistiger Fitness erfreuen. Selbst wenn das Erkrankungsrisiko mit den Jahren steigt, ist im Endeffekt eine Demenz ähnlich schicksalhaft wie zum Beispiel ein Krebsleiden.
Die häufigste Demenzform ist der Morbus Alzheimer, der für 55 bis 70 Prozent der Fälle - die Statistiken variieren etwas - verantwortlich zeichnet. Aus diesem Grund haben wir der nach dem Arzt Alois Alzheimer (1846-1915) benannten Krankheit auch einen eigenen Infobereich gewidmet. Von nicht wenigen Medizinern wird allerdings kritisiert, dass die anderen Demenzformen im Schatten des Morbus Alzheimer zu wenig Beachtung finden.


So müssten Schätzungen zufolge zwischen 15 und 20 Prozent der Demenzpatienten unter einer Lewy-Körperchen-Demenz leiden. Tatsächlich wird die Krankheit aber sehr viel seltener diagnostiziert. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass die beiden Krankheitsbilder sich sehr ähneln und darüber hinaus Mischformen vorkommen. Experten gehen aber ebenso davon aus, dass Ärztinnen und Ärzte bei Hirnleistungsstörungen oft vorschnell die Diagnose Alzheimer stellen.

Die vaskuläre Demenz ist mit rund 15 Prozent der Fälle ähnlich häufig wie die Lewy-Body-Demenz. Sie gehört wie erwähnt zu den sekundären Demenzen, die in gewisser Weise eine Sonderstellung einnehmen. Da sie infolge einer anderen Erkrankung entstehen - bei der vaskulären Form etwa durch Bluthochdruck oder Arterienverkalkung - lassen sie sich durch eine Therapie der Grunderkrankung ursächlich behandeln. Allerdings ist es nicht oder nur in sehr begrenztem Rahmen möglich, bereits entstandene Schädigungen des Gehirns wieder rückgängig zu machen. Durch eine optimale Therapie kann man aber verhindern, dass die Krankheit weiter fortschreitet, bzw. zumindest eine Verzögerung erreichen.

 

Der fortschreitende Verlauf ist ein Charakteristikum von Demenz-Erkrankungen. Je nach Ausprägung der Symptome unterscheidet man leichte, mittelgradig schwere und schwere Demenzen. Da es bei den primären Formen trotz intensiver Forschungsbemühungen keine ursächliche Heilung gibt - auch weil die Krankheitsmechanismen noch weitgehend im Dunkeln liegen - war es bis vor nicht allzu langer Zeit eigentlich nicht zu verhindern, dass der Zustand der Betroffenen sich immer weiter verschlechtert.

 

Mittlerweile gibt es einige Wirkstoffe, mit denen sich das Fortschreiten der Erkrankung zumindest verlangsamen lässt. Vor allem im Frühstadium lassen sich Demenzen auch durch andere Maßnahmen positiv beeinflussen. So helfen Gedächtnistraining, Verhaltens- und Physiotherapie dabei, die Lebensqualität der Patienten zu erhalten. Und dies ist das oberste Ziel jeder Demenz-Therapie.