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Tipps und Hilfen
Für viele Patienten ist die Diagnose „Multiple Sklerose“ zunächst niederschmetternd. Das hängt nicht zuletzt mit dem Umstand zusammen, dass sie ein vollkommen falsches Bild von der Erkrankung haben. Die Überzeugung, dass eine MS-Erkrankung binnen weniger Jahre unabwendbar zu schwersten Behinderungen führt, ist weit verbreitet, aber nicht richtig.
Zwar handelt es sich um ein chronisches Leiden, das sich nicht heilen lässt, doch wie sich die Krankheit entwickelt, ist individuell unterschiedlich. Manche Betroffenen haben nur einen einzigen Schub im Leben, bei vielen anderen schreitet die MS nur ganz langsam fort. Darüber hinaus gibt es mittlerweile Therapien, mit denen sich der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen lässt.
An die Umstände anpassen
Zunächst ist es also ganz besonders wichtig, nicht zu resignieren, wenn man erfährt, dass eine Multiple Sklerose vorliegt. Denn letztlich entscheidet auch die Einstellung des Patienten und seines persönlichem Umfelds in großem Maß darüber, wie lebenswert ein Leben mit MS ist. Als grundsätzliches Motto könnte man vielleicht ausgeben: Machen Sie so weiter wie bisher. Das heißt: Freunde treffen, ins Kino gehen, Sport treiben, sich im Beruf engagieren, in den Urlaub fahren, Zeit mit der Familie verbringen.
MS-Patienten sollten sich fordern, müssen aber auch darauf achten, sich nicht zu überfordern. Starker Stress gilt als einer der Faktoren, die einen Schub auslösen können. Entspannungstechniken wie autogenes Training sind ein Weg, mit anstrengenden Situationen besser fertig zu werden. Noch wichtiger ist aber, dass die Betroffenen flexibel bleiben und sich auf die individuellen Umstände ihrer Krankheit einstellen. So etwa auf die jeweilige Tagesform, die – das bringt die Krankheit mit sich – mitunter stark schwankt. Wenn man sich einmal außerstande fühlt, selbst kleinste Anstrengungen zu bewältigen, sollte man das akzeptieren und sich die Ruhe gönnen, die der Körper gerade braucht. Am nächsten Tag gehen die Dinge dann oft umso leichter von der Hand.
Ein weiteres Charakteristikum der MS, besonders bei schubweisem Verlauf, ist das wechselnde Beschwerdebild. Symptome entwickeln sich, lassen wieder nach oder verschwinden ganz und können im nächsten Schub von anderen Beschwerden abgelöst werden. Da sich die „Bedingungen“, die die MS an den Patienten stellt, durch diese Entwicklung immer wieder verändern, sind die Betroffenen gezwungen, ihre Möglichkeiten und Grenzen immer wieder neu auszuloten.
Probleme nicht verheimlichen
Nie zu wissen, wann der nächste Schub kommt und welche Beeinträchtigungen er möglicherweise mit sich bringt, empfinden viele MS-Kranke als die größte Belastung. Das beste Mittel gegen dieses Gefühl der Unsicherheit ist die Krankheit aktiv anzugehen. Ganz wichtig dabei: Wenn man Hilfe braucht, egal in welchem Bereich, sollte man sich diese auch holen - so früh wie möglich. Sehr nützliche Tipps, wie man im täglichen Leben mit der Erkrankung zurechtkommt, liefert der Austausch mit anderen Betroffenen. Man findet ihn in Selbsthilfegruppen, die es heute in fast allen größeren Städten gibt.
Entscheidend für die Lebensqualität ist weiters, mit dem Arzt oder der Ärztin offen über Beschwerden und Schwierigkeiten zu reden. Auch über solche, bei denen es vielleicht aus Scham schwerer fällt, wie beispielsweise bei sexuellen Problemen oder kognitiven Störungen. Denn eigentlich gibt es für fast alle MS-Symptome eine Therapie. Eine solche Behandlung kann aber nur dann zur Anwendung kommen, wenn der Arzt die Symptome seines Patienten auch kennt.
Das wahrscheinlich wichtigste Gebot für jeden MS-Kranken lautet: Bewahren Sie sich Optimismus. Denn was für das Leben jedes Menschen gilt, gilt für sie vielleicht noch ein bisschen mehr. Man kann nicht vorhersagen, was die Zukunft bringt.